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Ein Traktat betreffs
der Begleiterscheinungen und Konsequenzen der Applicatio Vas Ylem Rel
In diesem Werke soll
untersucht werden, ob, und wenn ja, welche unerwarteten Begleiterscheinungen
die Applicatio Polymorph, Vas Ylem Rel, aufweist.
Dieser Verwandlungszauber, dem Elfischen entstammend und der Applicatio
Aquila Et Lupus nicht unaehnlich, soll hier zunaechst einmal analysiert
werden.
Wir setzen voraus,
dass dem Leser grundsaetzliche Dinge bekannt sind, wie etwa Verba Arcana
oder Paraphernalia, daher beginnen Wir direkt beim Aufbau der Structuratio.
Der Anwender jener
Applicatio wechselt die Gestalt, was durch die Katalyse hervorgerufen
wird, die die Freisetzung der Wirkungen der Paraphernalia ermoeglicht.
Hierzu muss dem Zauberer ein klares Bild jener Kreatur vor Augen stehen,
in die er sich verwandeln will.
Ein gewisses Mass an Uebung und Konzentration vorausgesetzt, wird er sich
alsbald verformen und die Materie seines Leibes eine andere Form annehmen.
Anders als beim Aquila
Et Lupus, ist er dabei nicht an die Beschraenkung gebunden, die ihm Zwaenge
der Groesse auferlegt, welche die anzunehmende Kreatur hat. Der Anwender
kann von der Amoebe bis zum Daemon jegliche der Wissenschaft bekannte,
kreatuerliche Form annehmen, sei dies nun die eines Hasen oder gar eines
Untoten.
Ebenfalls im Kontrast zu jener anderen Applicatio, ist der Anwender hierbei
nicht an eine von vornherein festgelegte Form gebunden, sondern es steht
ihm frei, eine Auswahl zu treffen.
Die Eigenschaften der anzunehmenden Kreatur muessen dem Zauberkundigen
allerdings im Groben bekannt sein, sei es auch nur das Aeussere.
Die Structuratio formt
sich aus den Variablen der Applicatio und bewirkt, dass dem Anwender aus
der vorhandenen Materie des Subjektes eine andere Gestalt erwaechst, so
die allgemein angefuehrte These.
Begruendet auf dem Wort der Macht Ylem, welches Bestandteil der Formel
ist, und zwar an zweiter Stelle, hinter dem Verbum Vas, ging die Wissenschaft
davon aus, es sei eine grosse Veraenderung der Materie gemeint.
Wir bezweifeln diese Annahme jedoch, da cum certanitatum non etwas aus
nichts entstehen kann. Und Daemon, Troll oder Ettin bestehen aus deutlich
mehr Materie als ein Humanoider. Analog dazu laesst sich sagen, dass ein
Hase wesentlich weniger Stoffliches fuer seine Gestalt verlangt, als dies
auf den Verwandelnden zutreffen mag.
Was also ist unter
den Worten der Formel zu verstehen?
Moeglicherweise fuehrt die Formulierung Vas Ylem Rel zu falschen Interpretationen,
was Inhalt des Sinnes, als auch Funktionsweise angeht.
Auch ist das Fehlen des Wortes Xen auffallend, welches fuer die Kreatur
steht. Jedoch ist es dem Zauberer verwehrt, eine andere als die kreatuerliche
Form anzunehmen.
Dies ist durch die hoehere Ordnung dieses Planums zu erklaeren, nach der
zwischen lebender und nicht lebender Materie ein Unterschied besteht,
der sich auf der Geistform lebender Materie begruendet. Hierbei wird noch
unterschieden zwischen Flora und Fauna, welche unterschiedliche Formen
des Lebens beinhalten.
So ist es unmoeglich, einem Stein Leben einzuhauchen, um ihn in eine Kreatur
zu verwandeln, wiewohl es auch unmoeglich ist, den Lebensfunken andernorts
zu deponieren, um dem Koerper einer Kreatur die Form eines Steines zu
geben. Demzufolge eruebrigt sich ein Hinzufuegen des Wortes Xen von selbst.
Wie aber ist die grosse
Veraenderung von Materie zu erklaeren, die aus dem Koerper des Zauberers
einen beliebigen, anderen werden laesst?
Gehen Wir davon aus, dass alles um uns herum nur Form und Muster ist,
dass Raum und Zeit aus einem Geflecht astraler Kraftlinien besteht; und
gehen Wir davon aus, dass jede materielle Manifestation von etwas nur
ein Knotenpunkt der energetischen Linien an beliebigen Ort innerhalb eines
bestimmten Zeitraumes ist, so laesst sich folgern, dass lediglich das
den Knotenpunkt jener Manifestation umgebende Geflecht der Energien deformiert
werden muss, um Materie umzuformen- der Mutation Grundlage, gar Grundlage
einer jeden Form magischer Anwendung.
Summe der Ursachen
und Wirkung lassen sich bei der Applicatio Vas Ylem Rel ganz klar definieren.
Geflissentlich uebersehen
wird jedoch oft, dass es sich bei dem Zauber um eine Verwandlung handelt,
um eine Mutation von etwas in etwas anderes, um es laienhaft auszudruecken.
Daher mag die Uebersetzung der Worte der Macht in den Begriff Polymorph
irrefuehrend, ja, widerspruechlich erscheinen.
Dies bedeutet, dass der Anwendende nicht allein Gestalt, sondern auch
Wesen der Kreatur in mehr oder weniger ausgepraegter Form annimmt, sollte
der Applicatio Erfolg beschert sein.
Um dies zu veranschaulichen,
sei hier das Beispiel der Riesenspinne genannt.
Der Zauberer mutiert in die Gestalt der Spinne und erhaelt auf diese Weise
nicht nur das Aussehen jener Kreatur. Jenes waere mit einem Illusionszauber
wesentlich weniger aufwendig zu verwirklichen.
Der Zauberer verfuegt in Gestalt der Riesenspinne auch ueber deutlich
mehr Kraft und Gewandtheit, zudem sind ihm Eigenschaften zueigen, die
der Spinne sind, in die er mutierte, da er ja den Leib jenes Wesens perfekt
formen musste. Zu diesem Zauber gehoert demnach, dass, ausser dem Aussehen,
weitere, bedeutende Zuege zu den Folgen des Zaubers gehoeren.
Auch das Wesen der Kreatur wird nachempfunden. Hier sind Parallelen zu
Beschwoerungszaubern zu bemerken, denn auch im Falle der Verwandlung in
eine Kreatur ist der Zauberer derjenige, der Gewalt behaelt ueber Handeln
und Denken des Wesens. Jedoch ist diese Symbiose deutlich staerker ausgepraegt
als bei der Invocatio, bei der ein beschworenes Wesen lediglich unter
Zwang gegen seinen Willen handelt, diesen jedoch keinesfalls voellig verliert.
Durch Quasiverschmelzung des Zauberers mit jenem Wesen, in das er sich
verwandelte, liegt der Fall jedoch deutlich anders.
Haben beispielsweise
Verletzungen des Koerpers auch Folgen fuer den Zauberer, der im Koerper
der Kreatur steckt, so sind auch geistige Anomalien von Bedeutung fuer
den Urheber des Zaubers, erwaehnt sei als Beispiel die Applicatio In Lor,
die durch Erweiterung der Sinne Nachtsicht erzeugt, welche auf geistiger
Basis begruendet ist.
Auch der Verwandelte laesst sich auf diese Weise nachtsichtig machen.
Ebenso erhoeht sich die Intelligenz des Zauberers, wenn er Zielkreatur
der Applicatio Uus Wis oder Rel Sanct war, selbst in Gestalt einer anderen
Wesenheit.
Jeder Kreatur sind
Verhaltensmuster zueigen, und so moegen einen Zauberer Gelueste auf eine
wuerzige Tarantel befallen, so er sich im Leib eines Raubvogels befindet-
oder Mordlust im Leib eines Daimonoiden.
Diesen Nebeneffekten zu entgehen, ist nicht moeglich. Man mag sie unterdruecken,
durch hoechste Konzentration, die jedoch mit Dauer der Anwendung erfahrungsgemaess
nachlaesst. Auch die Haeufigkeit der Verwandlungen spielt hierbei eine
Rolle, denn ein Zauberer, der sich desoefteren in eine Kreatur verwandelt
und Beeinflussungen durch dieses Wesen ausgesetzt ist, wird als Folge
mehr und mehr Aehnlichkeiten in den Wesenszuegen an sich bemerken.
Man mag dies als eine
Art Erziehung sehen, oder eine Deformierung des Musters, aus dem der Geist
des Zauberers besteht. Steter Tropfen hoehlt den Stein, sagt man, und
so ist niemand in der Lage, sein Wesen bestaendig vor den Folgen fortgesetzter
Mutation zu wappnen.
So laesst sich also
sagen, dass eine Verwandlung in eine andere Kreatur von psychischem Druck
begleitet ist, die auf Dauer den unerwuenschten Effekt hat, Einfluesse
geltend zu machen, Mutationen des Geistes einzuleiten.
Mit jeder Verwandlung faellt es demnach schwerer, eine Trennung zu vollziehen
zwischen dem eigenen Wesen und dem der Kreatur.
Darum sei gewarnt vor uebermaessigem Einsatz der Applicatio, denn die
Morphose des Koerpers greift von Anwendung zu Anwendung mehr auf den Geist
des Zauberers ueber. Wechselnde Einfluesse durch Verwandlung in unterschiedliche
Kreaturen helfen in diesem Falle nicht, wenngleich die Deformierung des
Geistes eine andere Dimension annimmt. Es erfolgt durch variierende Einfluesse
keine einheitliche, schematische Mutation, sondern eine chaotische, ziellose.
Waehrend bei fortgesetzter Verwandlung in immer die gleiche Kreatur dieselben
Eigenschaften immer weiter dem Geiste des Anwenders eingebrannt werden,
so findet keine homogene Assimilation und Mutation statt, wenn sich kein
System hinter den Einfluessen befindet.
Folgen sind Erschoepfungszustaende, Verwirrtheit, bis hin zu Schaeden
des Geistes.
Wird man durch staendiges
Verwandeln in eine Schlange mehr und mehr zu diesem Tiere, so wird das
Muster des Geistes umso uneinheitlicher, konzeptloser, je mannigfaltiger
und gegensaetzlicher die Komponenten sind.
Zunaechst verliert
der Anwender waehrend der Dauer der Applicatio mehr und mehr die Kontrolle
ueber sich, spaeterhin faellt es ihm schwerer, sich zurueck zu verwandeln.
Auch im Normalzustand mag sich nun bereits ein Teil des Wesens, eine Essenz
seines Seins, als residenter Bestandteil des Geistes bemerkbar machen.
Das Verhaltensmuster des Zauberers ist in diesem konkreten Casus bereits
anomal, gar pathologisch.
Empirischen Daten zufolge ist diese Entwicklung irreversibel, damit die
Konsequenzen irreparabel, und in letzter Konsequenz gelingt die Rueckverwandlung
nicht mehr; der Zauberer ist auf ewig gefangen im Corpus der Kreatur,
in die er sich verwandelte.
Kommen Wir zu Moeglichkeiten,
dieser Entwicklung zu entgehen, respektive, ihnen zu begegnen, ohne ihren
schadhaften Folgen zu unterliegen.
Die Applicatio, welche
in letzter Instanz sowohl Corpus, als auch Animus des Zauberers assimiliert,
sollte nur dann verwendet werden, wenn es sich nicht umgehen laesst.
Es sei anzuraten, den Spruch nur dann zu verwenden, wenn eine Person anwesend
ist, die die Wirkung jederzeit mittels einer Applicatio An Ort zu unterbrechen
imstande ist.
Waehrend man verwandelt ist, sollte man es unterlassen, sich den Empfindungen,
Instinkten und Regungen der Kreatur hinzugeben. Oeffnet man seinen Geist
naemlich fuer die Beeinflussungen, so kann die Assimilation schneller
voranschreiten. Anzuraten sei, sich im verwandelten Zustand permanent
gedanklich zu beschaeftigen und beim kleinsten Anzeichen einer Irritation
abzubrechen.
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