Eine Einführung in die Runenkunde


Mandrek Thyramos

Vorwort


Im folgenden Werk will ich eine Einführung über das allgemeine Wesen von Runen, ihre verschiedenen Arten sowie die Erschaffung von runischen Hilfsmitteln für den Alltag geben. Vorausgehend sei jedoch gesagt, dass die runische Arbeit in der Praxis mehr erfordert als nur bloßes Wissen über das Wesen der Runen. Viel Erfahrung ist von Nöten um mit der runischen Arbeit erste Erfolge zu erzielen. Im Verlaufe dieses Werkes wird dem aufmerksamen Leser klar werden, dass es bei der Kunst der Runenherstellung nicht auf bloßes Wissen, sondern auch auf handwerkliches Geschick in verschiedensten Bereichen der Handwerkskunst ankommt.

Von der Herstellung einer runischen Inschrift und den Unterschieden bezüglich des Materials


Prinzipiell kann eine runische Inschrift auf jedwedem festen Objekt angebracht werden, welches in irgendeiner Weise beschrieben oder graviert werden kann. In den meisten Fällen wird diese jedoch, je nach gewünschter Lebensdauer und Zeitaufwand bei der Herstellung, auf hölzernen oder steinernen Oberflächen angebracht. So man in einem gewissen maße der Gravierkunst eines Feinschmiedes mächtig ist, ist es auch möglich die Inschrift in ein metallenes Objekt zu gravieren. Ist es jedoch von Nöten sich schnell der Effekte einer Rune zu bedienen, so kann diese auch einfach mit einem Stab oder ähnlichem in losen Sand gezeichnet werden. In allen Fällen ist es jedoch von Vorteil, wenn der Anwender selbst die Rune herstellt, da jedwede Rune vom Geist des Erschaffers und seiner Gedankenstruktur mitgeprägt wird. Dies kommt aber nur dann in ernstem Maße zum tragen, wenn es sich um komplexe Amulette oder Talismannen handelt, welche in einem eigenen, späteren Kapitel behandelt werden sollen.
Sollte man sich dafür entscheiden eine Rune in Stein zu gravieren, ist zunächst abzuwägen welche Gesteinsart die am geeignetsten für den Vorgang ist. Vor allem bei komplexeren Inschriften, kann dies viel bewirken. Aber auch beim -als Beispiel angeführt- Einmeißeln einer Flam Rune in einen Stein sollte man darauf achten, dass das verwendete Gestein dem Feuerelement so intensiv wie möglich ausgesetzt war, oder sich gar durch vulkanische Aktivitäten gebildet hat. Dies hat den Vorteil, dass das verwendete Material dann in der Lage ist die Eigenschaften der Rune bestmöglich zu verstärken.
Seher hingegen, welche sich auf die wahrsagende Eigenschaft der Runen konzentrieren verwenden mit großer Vorliebe das Holz der Birke, welches sie bei Vollmond genau zur mitternächtlichen Stunde schneiden. Weitere Beispiele kann der Interessierte sicherlich durch eigene Beschäftigung mit der Materie leicht ans Tageslicht bringen.


Vom Unterschied zwischen Runen und Glyphen


Von den Runen:
Wie bereits erwähnt, werden Runen an mehr oder minder Festen Objekten angebracht. Sie können mit einem Stab in den Sand gezeichnet, oder auf einem kleinen Holzplättchen in der Robentasche transporiert werden. Dies birgt sowohl Vor- als auch Nachteile. Zum einen kann die Rune schnell geschrieben, oder für den Transport in der Robentasche hergestellt werden. Zum anderen bringt jedoch die Zerstörung der Oberfläche auf der sie geschrieben sind auch eine Aufhebung ihrer Effekte mit sich.
Von den Glyphen:
Im Gegensatz zu den zuvor beschriebenen Runen handelt es sich bei Glyphen um eine Abwandlung einer herkömmlichen Rune. Glyphen können auf jedweder beweglicher Oberfläche aufgetragen werden, jedoch nicht indem man sie mit einem materiellen Gegenstand auf einer festen Fläche aufträgt, sondern sie werden durch Geisterskraft des Wirkenden erschaffen. Wie dieser Vorgang im Genauen abläuft, ist eines der bestens gehüteten Geheimnisse, die nur von den Runenmeistern an ihre Schüler weitergegeben werden. Wie ich jedoch bei meinen Forschungen in Erfahrung bringen konnte handelt es sich bei dem Vorgang der Erschaffung einer Glyphe um eine Visualisierung, die unter Zuführung von Mana derart verdichtet wird, dass sie auch für unkundige Augen sichtbar werden, so der Wirkende dies wünscht. Handelt es sich um extrem machtvolle Glyphen, so kann es bei unkundiger Auflösung, oder Vernichtung der spezifischen Glyphe zu Entladungen der angestauten Macht kommen, was für alle in der Umgebung befindlichen Wesen fatale Folgen haben kann. Erstellt man also eine komplexere, machtvollere Glyphe, so sollte man nicht darauf vergessen einen Schutz einzuarbeiten, um diesem Umstand vorzubeugen.

Vom Unterschied zwischen magischer Kaligraphie und magischer Iconograpfie


Bei Runen, sowie auch bei Glyphen, kann es sich zum einen um eine Laut- zum anderen aber auch um eine Zeichenschrift handeln. Der Unterschied liegt dabei in der Beduetung der unterschiedlichen Symbole. Handelt es sich um magische Kaligraphie, also eine Lautschrift, so wird jedem Zeichen der Runenschrift ein bestimmter Laut zugewiesen. Diese Laute ergeben dann zusamnmengesetzt ein Runenwort. Des weiteren sind die Zeichen abstrakter als sie dies vergleichsweise bei einer reinen Zeichenschrift sind, da sich Symbole für konkrete Worte meist aus Zeichnungen entwickelt haben und diese noch in den Zeichen zu erkennen sind.
Auch existieren Mischformen, wie zum Beispiel jene, die im Konvente gebräuchlich sind. Hierbei hat eine Rune eine oder mehrere Bedeutungen für sich selbst. Jedoch kann man diese im Weiteren auch zusammenfügen, um einen gewünschten Effekt zu erhalten. Als Beispiel sei als Anwendung in der arcanen Magie die Applicatio In Vas Mani angeführt. Die Silben haben alle für sich eine eigene Bedeutung, im konkreten Beispiel eben „Erschaffen“, „groß“ und „Heilung“, jedoch ergibt erst ein zusammenfügen aller drei Komponenten den gewünschten heilenden Effekt (einmal rein auf die Sylabellen der Applicatio bezogen). Die Erstellung eines neuen Runenwortes ist jedoch weitaus komplexer, als nur Symbole an einander zu reihen, da ein spezifisches Runenwort immer nur aus einem einzigen, neu erstellten Symbol besteht welches die Struktur aller verwendeten Runen in sich birgt. Mehr dazu aber im folgenden Kapitel.


Vom Verfassen runischer Inschriften


Das Verfassen runischer Inschriften ist ein individuell vom benötigten Material abhängiger Vorgang. Die verwendeten Werkzeuge selbst unterscheiden sich kaum von jenen, die ein Handwerker benutzt um seine Erzeugnisse herzustellen. Doch sollte darauf geachtet werden, dass diese nur zum Zwecke der Runenerschaffung in Verwendung stehen. Grund dafür ist zum größten Teil jener, dass man die Runenkunde mit großem Ernst betreiben sollte und zum schnitzen einer solchen nicht unbedingt ein Messer zur Hand nehmen sollte, mit dem zuvor noch Fisch zerteilt wurde.
Welches Werkzeug im Genauen verwendet wird, hängt vom Ausgangsmaterial ab, aus dem man die Rune herstellen will. So sind Schnitzermesser, Feder und Tinte, sowie Hammer und Meißel Gegenstände der alltäglichen runischen Arbeit.
Entschließt man sich nun ein Runenwort zu erforschen muß dies mit großer Genauigkeit ablaufen, da der kleinste Fehler bereits die gesamte Arbeit zerstören könnte. Die Einhaltung eines Schemas ist daher in jedem Falle anzuraten, wobei hier nichts zwingendes vorgegeben ist. Jeder mag seine Vorlieben bei der magischen Arbeit haben und so ist die Erschaffung eines Runenwortes ebenfalls eine individuelle Sache. Doch sei hier im Folgenden beschrieben wie der noch Unkundige an diese Arbeit herangehen sollte. Hat man es in der Runenarbeit dann zu einer gewissen Fertigkeit gebracht kann der Vorgang nach eingner Intuition individualisiert werden.
Im ersten Schritt sollte man sich darüber im Klaren sein welche Effekte die runische Inschrift haben sollte. Hierbei ist vor allem für den Ungeübten von jeglicher Hast abzuraten. Man versenke sich also zunächst in einen meditativen Zustand um sich aller Auswirkungen der Rune bewußt zu werden. Dabei ist ebenfalls zu bedenken, dass magische Arbeit jeglicher Art immer Gefahren in sich bergen kann. Daher sind auch sämtliche negativen Auswirkungen auf den Träger und die Umwelt zu bedenken. Um die Konzentration nicht abschweifen zu lassen überlege man sich in diesem Schritt noch keinen Lösungsweg, sondern fokusiere sich anfänglich nur auf die Auflistung dieser Eigenschaften. So müßte man zum Beispiel bedenken, dass ein Amulett welches vor Offensivmagie schützen soll vorteilhafte Effekte für den Träger nicht abschwächt. So ist es zum Beispiel gewünscht, dass die Effekte eines An Mani abgeschwächt werden, nicht aber die Wirkung eines Rel Sanct.


Von den Talismanen und Amuletten


Die Herstellung von Talismanen und Amuletten ist wesentlich komplexer als die Verwendung einer einzelnen Rune, da ein Zeichen eingraviert wird, welches sich aus allen relevanten Symbolen zusammensetzt. Bevor ich jedoch auf die Herstellung im Näheren eingehe, möchte ich einmal auf den Unterschied zwischen einem Talisman und einem Amulett eingehen. Im Generellen ist zu sagen, dass ein Talisman immer erschaffen wird, mit dem Zweck etwas besonderes zu erhalten. Als Beispiele seien hier Glück, Wohlstand oder Gesundheit genannt. Erschafft man zum Anderen eine Amulett so beabsichtigt man einen Schutz vor etwas bestimmten zu erschaffen. Hier seien als Beispiele der Schutz vor körperlichem oder geistigen Einflüssen genannt, hervorgerufen durch geisterhafte Erscheinungen, physische Waffen oder arcane Magie. Diese Liste könnte ins Unendliche fortgeführt werden, doch denke ich, dass diese Beispiele dazu gereichen, sich selbst ein Bild über Wirkungsweise und Art von Amuletten und Talismanen zu machen.
So sei im Weiteren auf die Erschaffung von besagten Gegenständen eingegangen. Da die Ausbildung zum Runenmeister eine langwierige und komplexe Angelegenheit ist, habe ich mich, zum allgemeinen besseren Verständnis dazu entschlossen die Erschaffung eines Amulettes an einer, von akademisch Kundigen, täglich gebrauchten Applicatio zu beschreiben. Zu diesem Zwecke sei die Applicatio Uus Sanct gewählt. Wie wohl jedem Akademiker bekannt sein dürfte kann man diese beiden Verba auch in Form von jeweils einer Rune zu Papier bringen. Dies ist die Voraussetzung um beide zu kombinieren und zu einer Wirkung zu vereinen. Natürlich kann dies ebenfalls nicht beliebig von statten gehen, sondern verlangt die Einhaltung einiger Schritte, welche im Folgenden beschrieben sein sollen.


Der Erschaffungsvorgang:


Zunächst muß man sich über den gewünschten Effekt im klaren sein und diesem eine semantische Bedeutung zuweisen. In unserem Falle ist es die Absicht des Erschaffers sich vor physischem Schaden zu schützen. Es wird im weiteren die Runen „Uus“ und „Sanct“ gewählt. Hierbei ist jedoch zu bedenken, dass es sich um einen permanenten Effekt handelt, dieser also mit Nichten mit der gleichnamigen Applicatio zu vergleichen ist, sondern ein permanenter Schutz im kleineren Rahmen zur Verfügung stehen wird. Danach schreibe man beide Runen „Uus“ und „Sanct“ auf einem Pergament nieder und widme sich diesen in geistiger Versenkung. Dabei führe man sich den Effekt, den das Amulett haben soll vor Augen und gehe im Geiste die Linienführung der Runen immer wieder durch. Dieser Vorgang ist zu wiederholen, bis ein klares Bild einer einzigen Rune entsteht, welche Teile der Linienführung beider Runen inne hat.
Hat man dies erreicht, so schreibe man die Runen nieder und gehe die Linienführung erneut im Geiste durch. Sobald dies geschafft ist, kann der eigentliche Herstellvorgang beginnen. Dazu wähle man zunächst ein geeignetes Material. Im Falle eines Schutzzaubers sind –je nach gewünschter Haltbarkeit- mehrere Materialien zulässig. Zum einen wären das bestimmte schwere Hölzer wie die Eiche und zum anderen können auch bestimmte Gesteinsarten gewählt werden, wie der Granit. Hat man sich für das geeignete Grundmaterial entschieden kann man auch bereits das geeignete Werkzeug zur Hand nehmen (ein Schnitzermesser im Falle der Holzart oder einen kleinen Hammer und einen feinen Meißel, wenn man sich für den Granit entschieden hat). Danach fokusiere man seine Gedanken im vorgesehenen Rohstoff und führe sich wieder den gewünschten Effekt vor Augen. Dies hat zu geschehen, bis man die gewünschte Rune deutlich vor seinem geistigen Auge erkennen kann und in der Lage ist diese auf das Grundmaterial zu projezieren. Ist dies geschafft, so beginne man mit der Bearbeitung des Materials. Dabei ist zu beachten, dass der Erschaffungsvorgang möglichst in einem geschehen sollte und die Konzentration im besten Falle nie abbrechen sollte. Ist dieser Vorgang beendet, so wird der aufmerksame Kundige einen gewissen Fluß an arcaner Macht feststellen können, welcher innerhalb des Symboles zu arbeiten beginnt. Das Amulett (bei Talismannen ist es das Selbe) bezieht nun seine Macht –ähnlich wie ein Pentagramm- nicht vom Erschaffer selbst, sondern zapft durch seine Struktur das arcane Gewebe selbst an und benötigt somit keine Machtzufuhr durch seinen Erschaffer.
Sobald sich die Struktur der Rune mit genügend acaner Macht geladen hat, beginnt die gewünschte Wirkung einzusetzten.


Die Polarisierung von Runen


Anders als beim Erschaffen eines Amulettes verhällt es sich bei Runen, die bereits eine vorbereitete Struktur aufweisen, wie bei den Bogenrunen. Diese sind Erbstücke aus alter Zeit und keines der Werke, die ich bei meinen Nachforschungen zu diesem Werke benutzte, konnte mir Aufschluß über deren Ursprung geben. Klar ist jedoch, dass diese Runen bereits eine vorbereitete neutrale Struktur aufweisen, die ein fähiger Kundiger in eine gewünschte Richung polen kann, wie zum Beispiel durch die Projektion der Applicatio „In Nox“. Man erhällt in diesem Beispiele dann eine Giftrune. Der Machtaufwand für diese magische Operation ist nicht im Mindesten höher, als für eine gewöhnliche Applicatio gleicher Art, wobei jedoch zu bedenken gilt, dass die arcanen Ströme exakt gelenkt werden müssen, was es nicht für jeden Kundigen (vor allem Anfänger in der arcanen Kunst) möglich Macht eine solche Rune zu polarisieren.

Zum Nachwort


Abschließend sei hier Kund getan, dass die Arbeit mit den Runen sicherlich eine zeitlich sehr aufwändige ist. Jedoch kann ich sagen, dass sich die investierte Zeit auf jeden Fall auszahlt, so man sich in der Studienphase der Materie mit vollem Ernst gewidmet hat. Weiters bestätige ich hiermit, dass mir als Vorlage für dieses Werk nur arcane Werke, sowie meine eigene Kombinationsgabe und mein Forschergeist gedient haben und möchte hier die Gelegenheit nutzten allen zu danken, die mich bis an diesen Punkt meiner Ausbildung gebracht haben.

-gez
Mandrek Thyramos
Wissenschaftler, Alchemist und Adeptus im hohen Konvent der Magie


zurück zur Bibliothek