Das Orakel


(Miriam Malforius)


Diese Ausführungen sollen dem Leser einen Einblick in eine ältesten Formen der Zauberei geben, die sich bin in unsere heutige Zeit gehalten hat und deren Anwendbarkeit außer Frage steht, auch wenn einige gelehrte Persönlichkeiten gerne jede Art von Orakelei und Wahrsagen als Scharlatanerie abtun und diesem Bereich zu wenig oder eben gar keine Aufmerksamkeit widmen.
Diese Zeilen sollen dem Leser verschiedene Formen von Orakeltechniken grundlegend erläutern und ein paar Rahmenbedingungen abstecken. Dazu werden gehören: die Sterndeutung, as Runenorakel, die Karten, das Lesen in der Handfläche und natürlich die bekannte Kristallkugel. Auch über Visionen werde ich einige Worte verlieren. Natürlich gibt es eine größere Menge an Techniken, doch sie alle zu erläutern, würde hier deutlich zu weit führen, denn es soll nur eine Grundlage gelegt werden, wie ein interessierter Zauberkundiger mit den Mächten des Schicksals anbandeln kann.
Als Grundlage für diese Zeilen wird ein echtes Interesse an der Materie vorausgesetzt und auch eine Spur vom Glauben an das Schicksal sollte nicht fehlen, denn ein reiner Skeptiker wird mit diesen Zeilen wohl recht wenig anfangen können.

Die Geschichte des Orakels


Das Wissen um die Zukunft gehört zum mächtigsten, was die Kraft der Magie zu bieten hat und gerade in schwierigen Zeiten kann dies das Überleben sichern oder den Weg zur richtigen Entscheidung bahnen. So war es schon in den ältesten bekannten Kulturen üblich, dass derjenige, der die Kräfte der Magie in Form der Wahrsagerei zu beherrschen wußte, einiges an Einfluss ein seiner Gemeinschaft genoss und entweder der unumstrittene Anführer war oder aber dem Anführer quasi gleichgestellt mit Rat und Tat zur Seite stand.

Eine der ersten Formen der Wahrsagerei war die Deutung des Sternenlaufes. Hierbei wird den Sternenbildern anhand ihrer Bewegung meist ein oder mehrere Aspekte zugeordnet und weiterer Beobachtung kann ein Kundiger erkennen, welche Aspekte am Himmelsgefüge, welches bewiesenermaßen Einfluss auf unsere Welt hat, stark vertreten sind und welche vielleicht zur Zeit unterdrückt werden. Vergleicht man die Deutung einzelner Konstellationen, wie wir sie heute haben mit denen früherer oder fremder Völker, so wird man deutliche Unterschiede feststellen, die allerdings auf den zweiten Blick schnell als Ähnlichkeit auffallen werden.

Etwas später in der Geschichte tritt das sogenannte Runenorakel auf, eine erste Form der Schriftzeichen. Hierbei wurden vielsagende Zeichen auf verschiedenen Materialien verewigt. Anhand der Anordnung der Zeichen konnten die Anwender meist erlesen, was die Antwort der Kräfte, die sie beschworen auf gewisse Fragen waren. Man geht davon aus, dass aus den altzeitlichen Runen sich die heutigen Schriftformen entwickelt haben und schaut man sich zum Beispiel die Schriften der Zwerge an, so kann man diese Theorie durchaus nachvollziehen.

Direkt aus den Runen scheint sich das Kartenorakel entwickelt zu haben, welches sogar ähnliche Lesformen kennt, wie das Runenorakel, dessen Zeichen jedoch auf kleinen flachen Flächen aufgemalt sind.

Mit Anbruch zivilisierter Zeiten wurden auch die Techniken der Wahrsagerei immer moderner. So entstand z.B. das Handlesen und das sogenannte Schicksalsbrett. Auch die bekannte Kristallkugel ist eine Form der Wahrsagerei, die erst recht spät entstanden ist.

Techniken der Wahrsagerei:


Die Deutung der Sterne:
Wie bereits erwähnt, ist die Sterndeuterei die älteste der Wahrsageformen und hat sich bis heute aufgrund des erwiesenen Einfluss der Sterne als eine wichtige Disziplin für jedwede Form der Ritualistik gehalten.
Bei der Deutung der Sterne gibt es einige Grundbegriffe, die für die Deutung der Aspekte der einzelnen Himmelskörper entscheidend sind. Diese will ich im Folgenden kurz vorstellen.

Der Himmelskreis
Die Sternbilder unserer Welt bilden einen großen Kreis um unserer Häupter. Sie verschwinden dereins hinter dem Horizont und tauchen auf der anderen Seite oder an einer anderen Stelle des Himmelsäquators wieder auf. Zentrum dieser kreisrunden Rotation ist der allseits bekannte Schöpferstern. Der Himmelskreis wird von vielen Kulturen ihren Gottheiten entsprechend eingeteilt und auf den beiliegenden Sternenkarten im Anhang werden einige dieser Modelle vorgestellt. Diese Einteilungen werden allgemein Häuser genannt.

Aszendent
Dieses ist das erste Haus des Himmelskreises für ein Ereignis, wie die Geburt oder ein beliebiges anderes Ereignis. Es ist das Haus, welches sich in diesem Moment unter dem östlichen Horizont befindet. Dieses Haus benennt zumeist die Eigenschaften, welche zu diesem Zeitpunkt unsere Welt am meisten beeinflusst haben und geben ihre Eigenschaften zum Beispiel bei der Geburt an die Menschen weiter.

Häuser
Die anderen Häuser bestimmen je einen bestimmten Lebensbereich, wobei hier der Einfluss der Planeten und sonstiger Himmelskörper entscheidend ist, sowohl, in welchem Haus sie gerade stehen, als auch die Tatsache, wie ihre Aspekte zueinander sind.

Aspekte
Die Stellungen der Himmelsmächte zueinander nennt man in der Astrologie Aspekte. Als Bezugspunkt gilt der sogenannte Medium Coeli, der Zenit.
Konjunktion: Wenn zwei Sterne auf der gleichen Stelle an der Himmelskuppel stehen, dann nennt man dies Konjunktion. Eine Konjunktion von zwei oder mehr Himmelsmächten tritt recht selten auf und ist immer ein deutliches Zeichen für einen Moment der Macht.
Opposition: Stehen sich Mächte gegenüber, dann nennt man dies auch im Himmel Opposition.
Desweiteren gibt es noch Bezeichnungen für verschiedene geometrische Winkel am Himmel, die einen Einfluss auf die Beziehung der Sterne zueinander haben könnten. Diese sind Sextil (60° Winkel), Quadrat (90° Winkel) sowie Trigon (120° Winkel). Daneben gibt es noch einige andere Aspekte, welche in der nachfolgenden Tabelle geordnet zu sehen sind.
Jedesmal ist eine Abweichung von dieser Berechnung von 9° zulässig. Bisweilen stimmen diese Berechnungen nicht exakt überein, da wir es bei den Mächten des Schicksals mit überaus instablien Situationen zu tun haben.
Im Folgenden sie eine Tabelle gegeben, welche die Aspekte und ihren Einfluss auf die Beziehungen darstellt.

Starke Aspekte

Konjunktion

-

Einheit

Opposition

180°

rote Linie

Spannung

Quadrat

90°

rote Linie

Spannung

Trigon

120°

blaue Linie

Harmonie

Sextil

60°

blaue Linie

Harmonie

Schwache Aspekte

Halbsextil

30°

grüne Linie

Aufgabe

Quinkunx

150°

grüne Linie

Sehnsucht

Halbquadrat

45°

rote Linie

leichte Spannung

Anderthalbquadrat

135°

rote Linie

leichte Spannung

Halbsextil

30°

grüne Linie

Aufgabe

Quinkunx

150°

grüne Linie

Sehnsucht

Halbquadrat

45°

rote Linie

leichte Spannung

Anderthalbquadrat

135°

rote Linie

leichte Spannung



Die angegebene Farbe der Linie zielt auf die Verbindung in einem Horsokop an, die direkt zwischen den beiden Körpern gezogen würde.

Deutung eines Horokopes

Die vorangehenden Informationen sind für den Kundigen selbstverständlich und mehr oder weniger eine Anleitung, wie man ein Horoskop erstellt. Was einem solchen Horoskop erst seine Bedeutung verleiht, ist die Deutung. Hierzu muss der Kundige seine Sternenkarten heranziehen und seine Folianten über die Bedeutung der einzelnen Himmelsmächte befragen. Mittels dieser Technik lassen sich vergangene Zeitpunkte genau mit einem Horoskop versehen und so kann man bisweilen auch herauslesen, was zu ungeklärten Ereignissen passiert ist.
Wie der Titel dieses Werkes allerdings aussagt, ist gerade auch die Möglichkeit, die Zukunft aus den Sternen zu lesen Interessant. So lassen sich Tage finden, an denen bestimmte Mächte besonders starken Einfluss haben oder es lassen sich gar bei den richtigen Fragen Ergebnisse von Tagen herauslesen.
Die eigentliche Deutung ist eine Mischung aus Erfahrung des Deuters, der Genauigkeit, mit er vorgeht und der Entfernung der Deutung in der Zukunft. Vergangene Ereignisse können, wenn die Berechnungen der Himmelsbewegungen korrekt sind, interessanterweise ziemlich genau wiedergegeben werden. Zu den Gründen des Warum wird weiter hinten in diesem Werk eine Aussage gemacht werden.
Grundsätzlich ist es für die Deutung möglich, ein komplettes Horoskop zu erstellen, oder aber nur einzelne Aspekte zu betrachten. Es sei allerdings angeraten, sich möglichst viele Informationen für einen Zeitpunkt oder einen Zeitraum zu besorgen, da der Überblick über die Gesamtsituation deutlich mehr Hintergründe liefert und somit unter Umständen Fehldeutungen vorbeugen kann.


Die Deutung der Runen und Karten:

Da Runen und Karten jeweils einen sehr ähnlichen Charakter haben, was die Art des Legens und vor allem die Art der Anfrage an die Mächte der Welt angeht, habe ich beschlossen, sie in einem gemeinsamen Kapitel zu behandeln.
Zunächst seien hier einige Worte über die Werkzeuge verloren, die man benötigt, um diese Orakel zu vollführen. Der Sehende benötigt in jedem Fall einen Satz an Zeichen, seien es nun Karten oder Runen, die er nicht zwangsläufig selbst erstellen, aber selbst weihen muss, auf dass sie seine eigenen Schwingungen aufnehmen können. Das Weiheritual wird im Anhang beschrieben.
Diese Art des Orakels ist eine sehr konkrete Form, da man meist dem Orakel eine spezielle Frage stellt oder für einen konrekten Zeitpunkt einen Hinweis erlangen möchte. Das Orakel der Zeichen, wie ich diese beiden Formen nun gerne zusammen bezeichnen möchte, zeichnet sich dadurch aus, dass man mittels festgelegter Alphabete oder Sätze an Zeichen Antworten auf seine Fragen an die Mächte der Schicksals bekommt. Dies mag zufällig aussehen, aber weiter hinten wird erläutert, warum es dies nicht ist.
Ein solches Orakel kann man im Grunde immer machen, wenn es um alltägliche Dinge geht, so ist es unter Kundigen üblich, am Beginn eines Tages, oder am Ende des vorhergehenden, ein solches Zeichen aus dem Satz zu entnehmen und es im Hinblick auf den Zeitpunkt zu deuten, um sich an die Gegebenheiten anzupassen. Diese Form nennt man gemeinhin Tagesrune oder eben Tageskarte.
Die etwas komplexeren Formen bestehen darin, dass eine Person dem Kundigen (oder aber der Kundige direkt) Fragen an das Orakel stellt und dann der Frage gemäß eine Form legt, die die Antwort begünstigen kann. Einige dieser hergebrachten Formen werde ich im Folgenden darstellen. Da sich die Karten aus den frühen Runen entwickelt haben, werde ich nicht unterscheiden, denn in der Tat ist es möglich, einen Schicksalskreis mit Karten und Runen zu legen. Grundsätzlich ist es so, dass auf dem Kopf liegende Zeichen nicht das Gegenteil von dem ausdrückt, was uns das Zeichen eigentlich sagt. Vielmehr ist es so, dass es auf einen Mangel hinweist oder uns etwas lehren will. Bei Runen kann es zudem vorkommen, dass man den Stein falschherum legt, so dass das Zeichen eigentlich auf der Unterseite ist. Diese Konstellation stellt eine Unsicherheit dar. Etwas, was nicht festgelegt ist und durch die Entscheidungen der Beteiligten verändert werden kann.

Befragung der Geister

Der Name dieses Orakels stammt aus dem Schamanismus, und bezeichnet das Ziehen einer Rune oder einer Karte, um die Momentane Situation darzustellen. Das gezogene Zeichen richtig gedeutet, kann Entscheidungshilfe sein oder schlicht der Selbsterkenntnis dienen.

Befragung der Drei

Hierbei werden aus dem Kartensatz oder dem Runenbeutel drei Zeichen gezogen und von rechts nach links vor sich hingelegt. Anschließend kann man von links nach rechts lesen:
Das erste Zeichen stellt den Fragenden dar, seine konkrete Situation, sein Befinden oder vielleicht auch sein Problem.
Das zweite Zeichen stellt einen Hinweis dar, was getan werden kann. Es mag Entscheidungshilfe sein, aber auch darauf hinweisen, was nicht abwendbar ist.
Das dritte Zeichen schließlich zeigt das Ergebnis, die Zukunft oder die Folgen des Handelns.

Der Schicksalskreis

Der Schicksalskreis ist eine der komplexesten Formen des Zeichenorakels. Hierbei wird das Zeichen herausgesucht, welches dem Ziel des Orakels am ehesten entspricht oder welches der Fragende mittels Befragung der Geister herauszieht.
Dieses Zeichen legt man ins Zentrum eines zu erzeugenden Kreises, der aus fünf bis sechs Zeichen besteht. Da dieses Orakel nicht ganz einfach ist und entsprechend viel Kraft verlangt, sollte der Zeitpunkt gut gewählt werden und die Rahmenbedingungen sollten ebenfalls abgestimmt sein.
Ist dies der Fall, so kann man von oben beginnend, im Uhrzeigersinn, die 5 Zeichen um das Zentrum gruppieren und in genau dieser Reihenfolge zu lesen. Die Deutung der einzelnen Steine erfordert einiges an Erfahrung, denn die Reihenfolge mag täuschen. Mitunter wurde ein Schicksalskreis auch gegen die Richtung gelesen erst richtig. Die Hintergründe dieser Abweichungen sind aber nicht zu ermitteln, doch vermutlich liegen sie in der Tatsache, dass die Schicksalkräfte ständig im Fluss befindlich sind und damit nicht nicht berechenbar bleiben.

sonstige Formen

Neben diesen bekannten und weit verbreiteten Formen des Zeichenorakels gibt es in verschiedenen Völkern und Kulturen noch diverse andere Möglichkeiten. Die Runenknochen einiger Urvölker wurden Zeichnungen zufolge in die Luft geworfen und dann gelesen und auch die Nordmänner kennen diese Form für das Runenorakel. Desweiteren ist es möglich, dass heilige Symbole gelegt werden, die natürlich von Volk zu Volk variieren, doch letztlich kommt es wohl mehr darauf an, wie der Legende sich auf die Welt und ihre Kräfte einstimmt, als auf die exakte Form.


Das Lesen aus der Handfläche:

Eines der Rätselhafteren Orakel ist das Lesen aus der Handfläche. Es wird allgemein angenommen, dass es sich bei dieser Technik um ein reines Abtasten der Hand, um aus den Linien, die auf jedermanns Hand scheinbar unterschiedlich sind, das Schicksal herauszulesen. So ist allgemein der Aberglaube um Lebenslinien und dergleichen entstanden, wie er auf Jahrmärkten dem Fragenden erzählt wird. Dies hat verschiedene Gründe. Zum einen ist da einfach die Tatsache, dass ein großer Anteil der Wahrsager, die diese Technik verwenden schlicht Scharlatane sind und der zweite Punkt, dass diejenigen, die es nicht sind, ihre Geheimnisse nicht dem gemeinen Mann von der Straße weitergeben werden.
Tatsächlich ist das Berühren der Hand natürlich ein wesentlicher Teil des Orakels, doch ist es in Wirklichkeit nicht das eigentlich Wahrsagen, sondern schlicht eine Form der Konzentration auf die Zielperson. Durch die sanften Berührungen und die nähe, wird zwischen dem Wahrsager und dem Ziel eine Verbindung geschaffen, die den Kundigen einen Blick auf das Schicksal. Die Schwierigkeit liegt allerdings bei dieser Form der Schicksalsdeutung tatsächlich in der Interpretation des zu sehenden, denn letztlich sind es mitnichten konkrete Bilder, die sich dem Kundigen bei dieser Verbindung aufdrängen, sondern vage Eindrücke, die es zu deuten gilt. Erfahrung mit der Wahrsagerei sei hier dem Sehenden anzuraten, auf dass er die Eindrücke auch richtig deuten möge.

Die Kristallkugel

Da es auch hier ein zusätzliches "Werkzeug" benötigt wird, um etwas zu sehen, gehe ich im Folgenden mit wenigen Sätzen auf die Kristallkugel ein. Es ist in der Tat so, dass die Kugel eine Erfindung unserer Zeit ist. Magische Kristalle, natürliche klare Steine oder sogar magische Spiegel eignen sich für den Blick auf die Kräfte des Schicksals ebensogut, wie es die bekannte Kugel tut. Wichtig ist, dass die Fläche mindestens so groß sein sollte, wie die eigenen Hand, damit man Details erkennen kann. Auch hier ist ein Weiheritual erforderlich, welches im Anhang genauer beschrieben wird.
Ist der Kristall einsatzbereit, so stellt man ihn so auf, dass man selbst sich in entspannter Position davor setzen kann und schaffe die rechten Rahmenbedingungen. Geweihte Zeichen, Kraftrunen und ähnliche Hilfsmittel, die als Fokus für die Schicksalsmächte dienen können, sind durch nicht schädlich und erleichtern bisweilen den Blick. Auch auf den Himmel sollte man ein Auge haben, damit der Blick in die Weiten des Schicksals nicht durch ungünstige Sternenkonstellationen verhindert wird (siehe auch den ersten Abschnitt dieses Werkes).
Der Blick in die Kugel ist in Wirklichkeit eigentlich ein Blick durch die Kugel, denn unsere wirkliche Wahrnehmung wird nicht ausreichen, um zu sehen, was innerhalb des geweihten Gegestandes vor sich geht, also müssen wir ihn anblicken, ohne ihn wirklich zu betrachten. Es hat sich als hilfreich erwiesen, zu versuchen, durch die Kugel hindurch zu blicken, um einen Punkt dahinter zu fixieren, allerdings ohne sich auf ihn zu konzentrieren. Dies erfordert einiges an Übung und wird nicht beim ersten Anlauf zu Ergebnissen führen. Ähnlich wie beim Handlesen, sind auch hier die Bilder wenig konkret und müssen aus der Erfahrung heraus gedeutet werden, was natürlich Raum für Fehler läßt, die sich nur durch sorgfältige Beobachtungen und natürlich die richtigen Vorbereitungen vermeiden lassen.

Visionen

Eines der gefährlicheren Kapitel der Hellseherei ist die Vision. Es gibt hierbei zwei grundsätzlich verschiedene Arten der Vision.
Erstens gibt es die Möglichkeit, dass jemand urplötzlich von Bildern übermannt wird, die er nicht unbedingt sehen wollte. Diese Form nennt man auch Eingebung, da man meist davon ausgehen kann, dass sie von außen kommen und von höheren Kräften (Geistern, Göttern oder ähnlichem) an den Empfänger gesendet wurden. Diese Bilder sind meist sehr kryptisch und erfordern eine genaue Deutung, da Dinge, auf die solche Eingebungen hinweisen zumeist wichtig für den Einzelnen, aber bisweilen auch für ganze Völker und Epochen sein kann. Es ist allerdings auch möglich, dass Eingebungen nicht gesendet werden, sondern dass der Empfänger ein sogenanntes Medium ist, also jemand, der beinahe ständigen Kontakt zu Schicksalsmächten besitzt und aus diesem Grunde sehr deutliche Bilder erkennen kann, ohne dass er selbst tätig werden muss. Ein Medium weiß allerdings meist nach den ersten Bildern schon von seiner Berufung und geht von grundauf schon völlig anders mit Visionen um.
Die Zweite Möglichkeit ist, sich selbst für Eingebungen empfänglich zumachen. Meist wird dabei der eigene Geist durch sogenannte Trance entspannt und für Stimmen vorbereitet, die in unserer Welt normalerweise nicht wahrnehmbar sind. Diese Entspannung kann natürlich auf verschiedenen Wegen erreicht werden und da dies eine selbst initiierte Handlung ist, sollte man gerade hier darauf achten, dass die richtigen Rahmenbedingungen vorherrschen. Sterne, Ort und das direkte Umfeld sollten entsprechend gestaltet sein, um den Fluss der Kräfte ungehindert zu ermöglichen. Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass man Trance durchaus mit verfügbaren Rauschmitteln erreichen kann, jedoch sei ebenfalls davor gewarnt, denn durch den eigentlichen Rausch wird zwar das Unterbewußtsein für äußere Einflüsse empfänglich, jedoch wird die eigene Entscheidungsfähigkeit herabgesetzt, so dass die Gefahr besteht, dass man sich gegen solche Einflüsse nach dem Abschluss des eigentlichen Rituals nicht zur Wehr setzen kann, was zu Besessenheit und anderen gefährlichen Begleiterscheinungen führen kann. Sollte dieser Weg also gewählt werden, wovon dringend abgeraten sei, so ist es dringend erforderlich, dass mindestens eine weitere unbeeinflusste kundige Person zugegen ist, die im schlimmsten Falle eingreifen kann.

Warum gibt uns das Orakel eine Auskunft?

Zunächst einmal sei gesagt, dass ein Orakel mehr noch ist, als ein grobes vorhersagen der Zukunft. Die verschiedenen Techniken können, je nachdem, wie man sie einsetzt, uns Dinge vorhersagen, die uns bevorstehen, sie können uns Rat geben, wie wir eine richtige Entscheidung treffen oder uns über uns selbst aufklären. Je nach Betrachtung handelt es sich also hierbei um eine Art Selbsterkenntnis oder eben einen erbetenen Wink des Schicksals, wie es im Volksmund genannt wird.
Grundsätzlich stellt sich jedem Kundigen aber die Frage, wie es möglich ist, selbst das zu erfassen, was noch nicht passiert ist. Den Grund dafür zu kennen, kann sich wohl kaum jemand anmaßen, doch will ich versuchen, Überlegungen in diese Richtung anzustellen, die vielleicht verdeutlichen können, woran es liegen mag, dass ein Orakel annähernd korrekte Ergebnisse ergibt.
Fakt ist eines. Die Zukunft steht nicht fest. Doch wie, mag man sich fragen, ist es dann möglich, das Schicksal vorherzusagen. In diesem Werk wird die Auffassung vertreten, dass es eine Art Kraft gibt, welche die Gesamtheit der Welt durchströmt. Sie ist Ergebnis und Verlauf all dessen, was die Entscheidungen der einzelnen Bewohner ergeben. Natürlich ist dies nur eine einfache darstellung, erfaßt von einem menschlichen Geist und mit Sicherheit nicht vollständig, doch in etwa mag es stimmen, dass diese Kraft eine Art Schicksalsfaden für alles und jeden formt, der biegsam und dessen Enden lose in der Unendlichkeit der Zeit hängen, doch wie es auch ist, wenn man einen Faden achtlos auf den Boden legt, so ist auch der Teil, den man vielleicht als Zukunft deuten mag in einer Art und Weise bereits geformt.
Es ist möglich, den Verlauf dieses Fadens zu ändern, doch ist immer die Frage, wieviel Kraft und Geschick dies kosten mag und, wenn mann meherer Fäden legt, was die Nebenwirkungen sind. Beeinflusst man einen anderen Faden? Ist überhaupt Platz, um sich zu verändern?
Essenz dieser getroffenen Aussagen ist, dass es letztlich eine grobe Richtung gibt, die dem Schicksalsfaden vorherbestimmt ist. Die mächtigstens Eckpunkte oder vielleicht auch die Art des Flusses wird jedem Faden bereits bei seiner Geburt durch die Situation der Welt mitgegeben. Die Macht der Sterne, die macht diverser anderer Wesen (z.B. Götter) und viel mehr, haben einen Grundeinfluss und es mag sein, dass sie diese Fäden legen, wie es ihnen gefällt und wie es ihren eigenen Zielen dienlich ist.
Aus der Vorstellung, dass ein Schicksalfaden bereits eine grobe Richtung und einen Verlauf besitzt, entsteht die Überlegung, ob es möglich ist, diese Richtung zu erfahren. Wie ich bereits andeutete, ist dieses Denkmodell nur ein von Menschengedanken erschaffenes. Die Wahrheit wird durchaus komplexer sein und es ist fraglich, ob sie detailiert erforscht werden kann. Die verschiedene Orakeltechniken, die sich über die Jahrhunderte entwickelt haben, dienen im Grunde zwei Zwecken.
Der erste ist, die grundlegenden Rahmenbedigungen für den Schicksalsfaden zu erkennen. Die Astrologie hat über die lange Zeit ihrer Entwicklung Mittel und Wege gefunden, diese Rahmenbedingungen, die scheinbar kosmischen Gesetzen folgen, zu errechnen. Jenseits dessen, was derart hohe Mächte in der Nähe der Götter für die Wesen dieser Welt vorsehen, können die wenigsten ihr Schicksal noch beeinflussen. Ist der Weg durch die Sterne einmal gelegt, bedarf es großen Willens und noch größerer Macht, um diesen Pfad zu verändern und da kaum jemand erahnen mag, was dies bedeutet, stellt sich die Frage, ob ein solcher Eingriff nicht gar als Frevel angesehen wird.
Der Zweite Zweck, dem die Techniken zur Vorhersage dienen, ist im Grunde viel einfacher, wenn auch die Techniken nicht weniger komplex sind. Hierbei handelt es sich vor allem um die kleineren Hinweise, Fragen und dergleichen, die im großen Gespinnst der Fäden vielleicht als kleine Windungen oder gar als Knoten gesehen werden.

Das eigentliche Orakel ist, wenn man dieses Denkmodell verstanden hat, nicht weiter schwer, denn es besteht aus wenigen Schritten und erfordert nichts als puren Glauben und eine gewisse Einstimmung. Natürlich ist es einfacher, wenn man gewisse Rahmenbedingungen schafft, doch würde ein Ausflug in die Ritualistik an dieser Stelle deutlich zu weit führen.
Für den eigentlich Vorgang des Orakels sind drei Komponenten dringend erforderlich:
Ein Fokus auf die eigene Kraft
Ein Fokus auf die Kräfte der Welt
Ein Fokus auf das Ziel
Es wird im Weiteren davon ausgegangen, dass jeder Leser dieses Werkes weiß, wie er seine eigenen Kräfte fokussiert, um damit einen tieferen Einblick in das Sein zu erhalten. Aus diesem Grunde wird dieser Vorgang hier keine Erläuterung finden.
Auch die Fokussierung auf die Kräfte der Welt kann hier aufgrund des Umfanges nur bedingt Thema sein, weshalb lediglich darauf hingewiesen wird, dass es von Nutzen ist, zu wissen, was man erreichen möchte, um seine Umgebung und auch seine Konzentration sowie Ort und Zeitpunkt entsprechend zu wählen. Wie bereits oben erwähnt, ist die Macht der Sterne eine der größten in unserer Welt und sollte aus diesem Grunde nicht außere Acht gelassen werden. Der Durchführende sollte sich im Klaren darüber sein, welche Mächte er im Begriff ist, zu berühren und sollte er die Entscheidung treffen, dass er meint, damit umgehen zu können, sollte er es ohne Furcht und mit vollen Selbstbewußtsein tun.
Der letzte Punkt ist vielleicht bei dem eigentlich Orakel der wichtigste. Je besser es dem "Seher" gelingt, sich darauf einzustellen, desto genauer und besser wird seine Vorhersage. Natürlich ist es einfach, eine Rune zu ziehen, und mit der Frage zu verbinden, was mit dieser und jener Person geschehen wird, doch eine solche Antwort wird nie sonderlich genau sein. Aus diesem Grunde ist es von Vorteil, wenn der Anwender sich nicht nur auf das konzentrieren kann, was das Ziel seiner Frage ist, sondern auch möglichst viel darüber weiß. Für die einfache Astrologie mag ein Hinweis auf eine Charaktereigenschaft ausreichen. Für das Handlesen oder gar die Runendeutung hat es sich als Vorteilhaft erwiesen, wenn man eine Berührung herstellen kann, oder Essenz der Person dafür verwenden kann. Je mehr der Anwender hinter die Person oder die Sache, zu der er etwas wissen möchte, zurücktreten kann, desto mehr Aussicht auf Erfolg haben seine Bemühungen.

Unschärfe

Ein komplizierter Sachverhalt für die Deutung der Zukunft ist die Unschärfe. Weiter oben wurde die These aufgestellt, dass die Zukunft nicht feststeht, doch ihre Richtung, wie ein ausgelegter Faden bereits eine grobe Richtung aufweist. Verfolgt man dieses Denkmodell, so könnte man sagen, dass Zeit nichts anderes ist, als das Ordnen aller Fäden. Doch wie funktioniert dies?
Das mächtigste Werkzeug, das allen intelligenten Wesen zur Verfügung steht, ist die Entscheidung. Allein durch sie ist es möglich, den Fäden des Schicksals eine neue Richtung zu geben. Trifft ein Mensch eine Entscheidung, so wird sich sein Leben in diese Richtung verändern, so die Entscheidung denn nicht dem Weg folgt, den seine Schicksal ohnehin schon andeutete.
Diese Tatsache führt zu einer weiteren Überlegung. Wenn die Zukunft bekannt ist, wie verträgt sich der Umstand, dass sie verändert werden kann mit dem, was wir wissen? Ist es so, dass eine Vorhersage nur für den Zeitpunkt der Vorhersage korrekt ist?
Diese Fragestellung beschäftigt wahrscheinlich alle Gelehrten der Welt seit Jahrhunderten und eine eindeutige Antwort, das will ich vorwegnehmen, gibt es nicht. Jedoch kann man auf diesem Kontrukt herumdenken und man wird feststellen, dass es in der Vergangenheit immer wieder Beweise gab, eine Vorhersage der Zukunft, so konkret sie auch schien, auf verschiedene Weisen erfüllt werden konnte. Es hat sich bei den meisten Gelehrten die Angewohnheit durchgesetzt, die Zeit und das Schicksal vor Mißbrauch zu schützen, wie man schon des Öfteren erkennen konnte. Ob es nun allein diesem Umstand zu verdanken ist, dass die meisten Vorhersagen ungenau scheinen oder ob es sich hierbei um ein reines unumstößliches Gesetz der Zeit handelt, ist fraglich und kann wohl von keinem Menschen beantwortet werden.

Anhang:
Sternenkarten
Symboltabellen für Himmelskörper mit Einflusserklärung
reichhaltig illustrierter Kartensatz mit deutungsmöglichkeiten
Runensatz mit Bedeutungstabllen

Weiheritual für einen Satz Runen:
So die erstellet, nimm die Runensteine und gehe in den nächsten Wald, wo du in seiner Mitten die Lichtung aufsuchest. Setze dich hernieder und breite auf einem Sammettuche die Runen aus, welche du mit ihrem Zeichen gen des vollen Mondes legest. Entzünde Kerzen, welche brennen mögen bis zum Sonnenaufgange und seien von dem Wachs wilder Bienen.
Zur Mitternacht nehme einen Dolch aus reinem Bernsteine oder anderem heiligen Material und steche in deine eigen Handfläche. Von deinem eigenen Blute geben je einen Tropfen auf die Runen, um die Verbindung zu ihnen zu besiegeln. Dann gehe für eine Stunde um die Lichtung herum und rufe aus die Namen derer, denen du die Runen weihest.
Nun nimm den Beutel von edelstem Material, welches du kennest und lege die Runen nacheinander hinein. Nimm jeden Stein für sich und sage seinen Namen, so du ihn ablegest.
Nimm nun den Beutel an dich und umschließe ihn mit deinen beiden Händen. Lege dich hernieder auf das Sammettuch und meditiere über die Bedeutung dessen, was deine Hände umschließen bis zum Morgengrauen.

Weiheritual für eine Kristallkugel:
Es sey gegeben eyn Chrystall von der Größe der eygenen Hand. Er sey natürlich und ungeschleyft. Nimm her den Chrystall und lege ihn in eine Schale mit den Zeychen der Elemente und deyner Götter. Lege dazu eyne handvoll mit dem feynsten und edelsten Salze, welches du finden kannst. Nun fülle exakt zwey mal der Menge Wasser, welches in das Gehaus eyner Mondenschnecke passet. Stelle nun die Schale in das Licht einer Mondenphase und meditiere zur Mitternachten über der Schale.
Nimm in der Nacht des neuen vollen Mondes den Chrystall heraus und verwahre ihn nun sorgfältig, denn er sey geweyhet den Mächten des Schicksals.

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