Von Gebeten und Liturgien
(Adrej Lassan, Novize des Meranus)
Einführung
Werter Leser,
dieses Buch befasst sich mit der Form der Auseinandersetzung zwischen uns Gläubigen und den Göttern. Es werden sich darin allerdings nicht nur die Beschreibungen dieser Formen finden, nein ich hoffe vielmehr, dass der geneigte Leser auch Anregungen in diesem Buch finden möge, sich mit seiner eigenen Glaubensauslebung auseinander zu setzen. Ist die staendige Reflektion der selbigen doch ein wesentlicher Bestandteil des Glaubens und wird schlussendlich zur festen, eigenen und individuellen Bindung zu den Göttern führen.
Zur besseren Übersichtlichkeit habe ich das Buch in 3. Kapitel unterteilt. Zunächst erfolgt eine Disputatio über den Glauben, im zweiten Kapitel folgt eine Erläuterung des Gebetes, sodann werde ich im letzten Kapitel die Abgrenzung zwischen Gebet und Liturgie vornehmen, sowie kurz auf Stoßgebete eingehen.
Der Glaube
Das Wort Glaube kann leicht falsch verstanden werden, gibt es doch mehrere Wortbedeutungen. Von vielen so genannten Atheisten, die die Existenz der Götter noch immer abstreiten, wird in dem Wort "glauben" oft die Bedeutung "vermuten" hinein interpretiert, was jedoch in einer rationalen Betrachtung der Tatsache, dass die Götter wirklich existieren und schon ungezählte Male direkt oder indirekt in die Geschehnisse der Welt eingriffen, falsch ist. Die richtige Interpretation wäre demnach eher von dem Vorhandensein der Götter überzeugt sein, also von ihr wissen. Des weiteren unterscheidet man im Allgemeinen zwischen dem Glauben an das Pantheon und dem Glauben an bestimmte Götter, auch hier finden sich erneut zwei unterschiedliche Wortbegriffe. So bezieht sich die Bedeutung im ersten Fall auf die Anfangs dargestellte Interpretation von Glauben, im zweiten Falle jedoch wird der Begriff ausgeweitet auf verehren und anbeten.
In diesem Buch soll es nun um die letztere Bedeutung, also der Verehrung einer bestimmten Gottheit, gehen.
Es stellt sich also die Frage, welche Bedeutung hat nun der Glaube im alltäglichen Leben eines Menschen? Diese Frage ist für den wahren Gläubigen leicht zu beantworten, denn der Glaube stellt das Fundament eines jeden Menschen dar, er ist der Anker im stürmischen Leben. Er führt zur inneren Ruhe und ist gleichzeitig ein Kräftevorrat, aus dem der Mensch schöpfen kann in schlechten Zeiten, denn wird er auch noch von allen verlassen, so doch nicht von den Göttern, so er ihnen die Treue hält. Wichtig ist jedoch, dass der Glaube nicht zum "Alltäglichen" wird, eine Phrase bei der Begrüßung, ein emotionslos gebrummtes Tischgebet. Der Glaube ist nur Anker, so er wirklich gelebt wird.
Das Gebet
Eine Form seinen Glauben zu leben ist das Gebet. Der Betende wendet sich dabei an seinen Gott, dankt ihm, bittet um etwas oder sucht einfach nur den Kontakt.
Ich möchte an dieser Stelle eine erneute Trennung vornehmen, zum einen das öffentliche und zum anderen das private Gebet. Beide unterscheiden sich meist grundsätzlich von einander.
Unter öffentlichem Gebet verstehe ich das Gebet in der Gemeinschaft. Hier versammeln sich Menschen, die den gleichen Glauben anhängen und gemeinsam diesen ausleben wollen. Dies geschieht oft in Messen oder bestimmten Riten. Es ist eine Form in der durch indirekte Götterkraft die Gemeinschaft gestärkt und gefestigt wird.
Diese Riten erlauben allerdings oft keine individuelle Auseinandersetzung mit dem Glauben, dies führt dazu, dass der Gläubige auch eigenständig im persönlichen Gebet eine Reflektion vornehmen sollte.
Dies kann im Gebet oder in der Meditation erfolgen. Der Gläubige sollte sich bewusst werden über sich selbst, seine Taten und seinen Glauben. Prüfen soll er selbst die Wahrhaftigkeit und die Stärke in seinem Gottvertrauen. Nur so mag er zum Einklang mit den Prinzipien seiner Gottheit finden.
Liturgien und Stoßgebete
Eine spezielle Form des Gebetes ist die so genannte Liturgie. Liturgien sind Gebete mit Bitten, die durch die Kraft der Götter direkt Wunder hervorrufen. Nur wenigen Menschen ist es möglich solch mächtige Gebete zu sprechen, es sind die vom jeweiligen Gott gesegneten, seine Auserwählten, die sein Wort verkünden sollen, seine Werkzeuge auf Erden werden sollen. In der Sprache der Wissenschaft wird das Geschenk als Karmale Kraft betitelt, der Gesegnete erhält sie um mit ihr Wunder zu wirken, dabei erschöpft sich jedoch der "Vorrat" der Karmalen Kraft. Nur im Gebete regeneriert er diese wieder, sofern der Gott ihn als würdig empfindet. So ist es nicht verwunderlich, dass sich diese Gesegneten meist in den Reihen der Priester und Geweihten finden, denn es ist ungewöhnlich, dass sie ihr Geschenk nicht gewahr werden oder es gar von sich schieben. Gesprochen werden Liturgien zumeist mit den alt überlieferten Anrufungen des Gottes und stets gilt es sie offen auszusprechen, denn der Priester soll seinen Glauben nicht verstecken. Auch sollte der Priester dreimal abwägen, ob er die Liturgie wirklich wirken will, ad primum hat er zu klären ob sie nötig sei, denn die Götter gaben den Menschen Hände, Füße und den Kopf mit denen er nicht umsonst Dinge auch so vollbringen kann, ad secundum habe er die Folgen abzuwägen, die sein Tun haben wird und ad finitum muss er sich im Klaren darüber werden, ob diese Liturgie auch dem Willen des Gottes entspricht. Wichtig sind diese drei Punkte, denn die Kraft der Götter darf niemals so gebraucht werden, wie es vielleicht Magier bisweilen mit der Astralen Kraft tun, denn stets soll das Wunder, das geschieht, auch ein solches bleiben. So der Priester diese drei Dinge abgewogen hat, kehrt er in sich ein, wird eins mit den Prinzipien der Gottheit, um dann im Gebet die Kraft des Glaubens wirken zu lassen.
In Situationen großer Gefahr, geschieht es, dass ein Mensch ein so genanntes Stoßgebet gen Götter schickt, auf dass sie ihn erretten. Tatsächlich greifen die Götter bisweilen direkt in das Weltengeschick ein, um ihre Gläubigen zu erhören und Wunder an ihnen zu wirken. Bei den oben erwähnten Priestern, die die Fähigkeit besitzen Liturgien zu wirken, mag die Folge eines Stoßgebetes auch aus der ihnen geliehenen Karmalkraft erfolgen, so als würden sie eine Liturgie wirken, jedoch ohne die überlieferten Worte und Gesten.
So hoffe ich in diesem Buch zu mindestens einen kleinen Überblick und etwas Verständnis für Gebete und Liturgien dem geneigten Leser vermittelt zu haben.
Mögen die Götter über uns wachen und uns stets behüten!
Adrej Lassan
Novize des Meranus
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