Ethik und Moral

Semias Silberklinge



Einleitung

Werter Leser, einleitend möchte ich mit der landläufigen Meinung brechen, Moral und Ethik seien etwas unterschiedliches. Wegen dieser Annahme sind eine Menge falscher Bilder in Umlauf, wo beide Begriffe doch eigentlich das Selbe bezeichnen, und lediglich jeweils einer anderen Sprache entlehnt sind.

"Moral" und "Ethik", beide bezeichnen das, was wir "Sitte" oder "Brauch" nennen, nichts weiter und wenig geheimnisvoll. So versuche ich denn sehr nüchtern und möglichst objektiv mit dieser Thematik umzugehen, was Not tut, und vorab das Umfeld der Begriffe zu beschreiben ohne eine persöhnliche Einstellung darzulegen. In der Folge nenne ich hierbei lediglich die Ethik um den Text nicht unnötig aufzublähen.

Im eigentlichen Sinne bezeichnet Ethik somit die Summe aller Sitten oder Bräuche einer Gesellschaft, auf denen ihre Normen basieren und damit die Grundlagen ihres Handelns bilden. Diese Definition macht klar, daß Ethik nichts Absolutes ist, und von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren kann. Natürlich ist es verständlich, daß einjeder, der mit solch einer Grundlage lebt, die seine für die richtige halten wird. Täte er es nicht, würde er gegen die Normen verstossen mit denen er aufgewachsen ist, und die ihm Halt in seiner Umgebung bieten. Man würde ihn bestenfalls als Sonderling, im schlimmsten Falle jedoch als Verbrecher bezeichen. Dies ist abhängig davon, was er tut und wie das Normverhalten der betreffenden Gesellschaft aussieht.
Häufig wird mit Ethik, eine Definition von "Gut" und "Böse" in Verbindung gebracht, was sicherlich einige Berechtigung hat. Doch müssen wir uns aufgrund der vorangenen Feststellung darüber im klaren sein, daß "Gut" für eine Gesellschaft schnell im Sinne von "Richtig" und "Regelkonform" steht. Gut wird also im Einklang mit den normalen Sitten dieser Gesellschaft gesehen. Somit ist auch klar, daß die Definition von "Gut" und "Böse" ebensfalls nichts Absolutes ist, und von der jeweiligen Ethik des Betrachters abhängt. Im Extremfall sind dererlei Auslegungen genau entgegensätzlich, was aber im Konkreten selten vorkommt, doch dazu später.

Der geneigte Leser wird sich womöglich bei dererlei Feststellung entrüsten und vieleicht jetzt schon das Kreuz über den Autor brechen, jedoch müssen wir uns bei einer nüchternen Betrachtung des Themas freimachen von persönlichen Vorbehalten um es in seiner Gänze begreifen zu können.

Ethiken haben also Gültigkeiten für Gesellschaften, Kulturkreise oder Völker, aber auch für kleinere Gruppierungen oder gar Individuen. Je grösser die Gruppierung ist, die eine Ethik lebt, umso größer ist der Rückhalt und das Selbstverständnis des Einzelnen, der dazu gehört.
Dieses Selbstverständnis des Einzelnen führt dazu das Ethik somit untrennbar mit dem Begriff Weltanschauung verbunden ist. Sie definiert einen Teil der Realität des Individuums und ist ein Faktum für dieses. Ein Ausbrechen aus diesen Gewohnheiten ist sehr schwer bis unmöglich, abhängig vom Intellekt des selbigen.
Stellt man diese Regeln in Frage, so darf man für gewöhnlich nicht damit rechnen, daß der Gegenüber übermässig viel Verständnis zeigt für eine Position jenseits seines verinnerlichten und bestätigten Regelwerkes. Diese nicht vorhandene Toleranz gegenüber den Eigenarten anderer Gruppen oder Kulturkreise, beinhaltet ein Konfliktpotential, aus dem im schlimmsten Falle Kriege erwachsen.

"Innere" und "Äussere" Ethik

Somit müssen wir die sogenannte "Innere Ethik" von der "Äußeren Ethik" einer Gesellschaft unterscheiden, also das normale Verhalten zwischen den Angehörigen einer Gruppe und deren Verhalten gegenüber Angehörigen anderer Gruppierungen.

In der Folge möchte ich auf Wechselwirkungen eingehen, welche über die, einer bestimmten ethischen Auffassung hinausgehen und deren Verständnis eine Koexistenz verschiedener Kulturen ermöglicht.

Zu diesem Zwecke müssen wir ersteres die Gemeinsamkeiten der meisten Gesellschaften oder auch Gemeinschaften erarbeiten.
Das Wort Gemeinschaft zeigt schon, daß man hier von einem Zusammenhalt ausgehen muß.

Dieser Zusammenhalt entsteht dadurch, daß innerhalb der Gemeinschaften die Grundbedürfnisse des Einzelnen durch entsprechende Verhaltensweise gewahrt oder gesichert werden.
Dazu gehören primär Dinge wie Unversehrtheit, Ernährungssicherstellung. Im erweiterten Sinne dann die Möglichkeit einer Unterkunft, sprich erhaltung des Lebensraumes, Kleidung zu bekommen, Fortpflanzung und schliesslich auch Selbstverwirklichung.
Je mehr und besser diese Faktoren ausgeprägt sind, umso grösser der Zusammenhalt.
Im Einzelfall kann dies jedoch auch bedeuten, daß in etwa Unversehrtheit nur gewährleistet ist, wenn sich der Einzelne Regeln unterwirft, da Elemente der Gemeinschaft mit Gewalt drohen, und er sich nicht ohne weiteres frei in ihr bewegen kann, da Abhängigkeiten bestehen. Dies ist zwar nicht positiv für den Einzelnen und kann in Ausbeutung ausufern, führt aber dennoch oft zum Ziel.
Religiöse Vorstellungen, Einzelne Interessen, Machtverteilungen, Mündigkeit der Mitglieder, all dies beeinflusst die innere Ethik.

Chaotische Elemente jedoch wird man in der inneren Ethik einer Gemeinschaft sogut wie nie finden, da diese unweigerlich zur Auflösung der selbigen führen. So wird es nie die Norm sein seinen Nachbarn grundlos zu töten, oder jemanden zu bestehlen weil es einem gerade in den Sinn kommt.

Im Regelfalle wird die Gruppierung die innere Ethik auf die Äußere reflektieren und ihre Gewohnheiten übertragen. Solange dies mit den konstruktiven Aspekten des eigenen Gesellschaftsgefüges geschieht ist der Frieden gesichert.
Jeden so zu behandeln, wie man es für sich selbst ebenso wünscht, ist hier die einfache Leitlinie. Trägt man die Destruktiven, unterdrückenden Aspekte nach außen, so wird man auf Gegenwehr stoßen.

Aus all diesen Überlegungen ergeben sich nachstehende Rückschlüsse.

Ethik fängt bei der Einstellung des Individuums an. Reflektiert es seine innere Ethik auf die Äußere, also den Gruppenrahmen, so handelt es nach dem Prinzip "Was Du nicht willst was man dir tu, das füg auch keinem anderen zu." Die Harmonie innerhalb der Gruppe ist somit gewährleistet, wenn alle sich daran halten.
Ist das Individuum dazu nicht bereit, so wird die Harmonie gestört. In diesem falle hängt es von der Machtposition des Einzelnen ab, ob er ausgeschlossen wird, oder ob er in der Lage ist andere zu unterdrücken und ihnen seine Sicht aufzudrängen. Somit befinden sich die Normen dieser Gesellschaft im Wandel. Auch dies geschieht wertfrei und kann positive wie negative Aspekte mitsichbringen.
Reflektiert eine harmonierenden Gruppe die innere Ethik nach außen, so ist die Harmonie zwischen den Gruppen gesichert. Tut sie es nicht, so geschieht in diesem Rahmen das gleiche wie innerhalb der Gruppe.
Die Gruppe handelt also nach Außen wie ein Individuum, die Regeln sind entsprechend die gleichen. Wie im kleinen, so im grossen.
Herrscht im Inneren eine andere Verhaltensweise wie im Äusseren, so möchte ich dies mit einem Symetriebruch vergleichen, in diesem Falle kann vom Handeln der Gruppe nicht auf die Intentionen eines Einzelnen geschlossen werden.
Die Verantwortung der Gruppe liegt bei destruktiver äußerer Ethik, bei denen, die die Macht auf sich konzentrieren.

"Durch Taten allein definiert sich die Wesenheit."

Diese Erkenntnis läßt uns Wege beschreiten, die verschiedenen ethischen Grundrichtungen zuzuordnen sind. Die folgenden Attribute helfen uns bei der Einordnung. Jedoch sollten wir uns davor hüten jemanden in ein Schema zu pressen. Immerwieder neu muss das Verhalten einer Gruppe oder eines Einzelnen beurteilt werden, denn Sitten und Bräuche unterliegen der steten Änderung.
Äusserlichkeiten, Oberflächlichkeit und Gewohnheiten verleiten uns zu falschen Bildern und lassen uns oftmals den falschen Idealen folgen.
Immer kritisch zu sein, Anderen gegenüber und vorallem vor sich selbst, bewahren uns vor Fehleinschätzungen, erweitern unsere Sicht und lassen uns das andersartige verstehen und besser mit ihm umgehen.

Attribute der Ethik

Subjektive Attribute

"Gut" und "Böse"

Aufgrund der allgemeinen Annahme, daß richtig ist, was man selber tut oder denkt, wird das eigene Handeln schnell als gut bezeichnet, und Andere welche anders Handeln nicht selten als böse. Diese Polarisierung wird nicht den eher feinen Nuancen, welche oben festgestellten wurden, gerecht. Sie führt im wahrsten Sinne des Wortes zu Schwarz-Weiss-Malerei, die meist nicht angebracht ist.
Eine exaktere Einordnung der anderen Ethik ermöglicht es uns Verständnis, welche friedenswahrend ist, aufzubauen. Von daher sollte Abstand genommen werden von der Klassifizierung in Gut und Böse, welche wie gesagt entscheidend von der Perspektive abhängt und somit nicht objektiv genug ist.

"Recht" und "Unrecht"

Die Definition von Recht und Unrecht obliegt immer der jeweiligen Ethik selbst. Das Einhalten der Regeln und Gesetze, welche durch die jeweilige Gemeinschaft definiert werden, bezeichnet man als rechte Handlung, das verstoßen dagegen als Unrecht.
Das Urteil über Recht und Unrecht besagt also nichts über die Qualität dieser Gesetze, sondern bekundet lediglich den Willen einer Gemeinschaft nach innen und außen. Die Gesetzgebende Macht in der Gruppierung zeichnet verantwortlich die aus den Gesetzen erwachsenden konsequenzen.
Ebenso gilt dies für die gesamte Gemeinschaft, insofern die innere Ethik eine harmonische ist und nicht auf unterdrückung der gesetzgebenden Kaste beruht.

Objektive Attribute

"Eigennutz" und "Selbstlosigkeit"

Besser als Gut und Böse dient uns zur Einordnung einer Ethik, die Feststellung in wessen Interesse die Handlungen der jeweiligen Gruppierung sind. Dies gilt für das Individuum wie für die Gemeinschaft und gliedert sich ebenso in innere und äussere Ethik.
Eine Gruppe kann durchaus innerhalb selbstlos sein, da alle das gleiche Ziel verfolgen, und nach aussen als Gruppe extrem eigennützig auftreten, wobei hier alle Individuen der Gruppe gleichermassen profitieren.

"Hochmut" und "Bescheidenheit"

Davon auszugehen, daß man selbst die einzig wahre Meinung vertritt, kennzeichnet die Hochmut, während Bescheidenheit die eigene Fehlbarkeit einräumt. Der Vorteil der Bescheidenheit ist klar zu sehen, wenn man bedenkt, daß die eigene Weiterentwicklung nur anhand von entdeckten Fehlern, und dem Bemühen sie auszumerzen, ermöglicht wird.
Da hilft auch nicht sich nur Bescheiden zu nennen oder zuzugeben, daß man Fehler hat. Notwendig ist das innere Eingeständnis dazu und die folgende Tat, die dem entgegenwirkt. Wer mit sich zufrieden ist, wird sich kaum weiterentwickeln. Stillstand und Verfall ist die Folge.

"Rache" und "Vergebung"

Verstöße gegen die Ethik einer Gruppierung ziehen meist Konsequenzen nach sich. Diese können ebenso durch einen Gesetzestext geregelt werden, oder obliegen der Willkür der Machthabenden oder der von einzelnen. Je nachdem wie emotional diese Konsequenzen durchgesetzt werden spricht man von Bestrafung, Vergeltung oder gar Rache.
Die Objektivität des Richtenden hängt dabei in hohem Maße von seiner Unabhängigkeit gegenüber dem Kläger ab.
Zu vergeben, bedeutet dem Anderen eine Chance zugeben, einen Fehler nicht zu wiederholen, oder ihn wieder gut zumachen. Die Vergebung erwächst aus dem Eingeständnis der eigenen Fehlbarkeit und dem Willen von anderen nicht nur zu fordern, was man selbst nicht halten kann.

Nachwort

Es scheint recht schwer alle Aspekte der Verhaltensweisen der verschiedensten Gemeinschaften in Worte zu kleiden, jedoch hoffe ich, daß dieses Schriftstück Anregungen gibt sich weiter mit dem Thema zu befassen, und auch ein wenig den Blick über den eigenen Horizont lenkt um Andere zu verstehen.
Somit erhebt dies Werk sicher keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wird wohl aber die Grundzüge der Mechanismen, welche Ethiken hervorbrigen darlegen.

Ich hoffe dies verhilft dem werten Leser zu einem besseren Miteinander.


gezeichnet

Semias Silberklinge
Adept des weissen Weges
Schüler des Drauwyr

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