Entstehung und Sinnhaftigkeit des Akademikertums – Von der Entwicklung der arkanen Wissenschaft


Cordovan Marnion

Inhalt


I – Geschichte der alten Magietraditionen
II – Geschichte der akademischen Magie
III – Vorteile der akademischen Magie

Geschichte der alten Magietraditionen


Die Existenz der Magie reicht weiter in die Vergangenheit, als die der Menschheit es tut, was uns folgende Frage vor Augen führen soll: Wie gestaltete sich der erste Kontakt des Menschen mit der Magie, wie begann er sie zu begreifen, was war der Beginn magischen Zauberwirkens durch unsere Rasse?
Die ersten magiewirkenden Völker waren Naturvölker, welche ein aus ihrem Lebensumfeld heraus geprägtes Magieverständnis aufwiesen. Sie waren weit entfernt von jedwedem wissenschaftlichen Denken, und noch weiter von der wissenschaftlichen Betrachtungsweise der arkanen Kunst. Magie hatte damals stets einen klerikalen Charakter, und galt als solche primär als Gabe, um den Willen höherer Wesenheiten - zuförderst der Götter - zu deuten und zu vollstrecken. Sie ward kaum bis minder als formbare Macht verstanden, und ihr Erscheinen war somit untrennbar mit dem einzigen Erklärungsansatz für das Unerklärliche der damals bestand, dem Willen der Götter, verbunden.
Die Trennung der Magietraditionen, wie wir sie heute kategorisieren, war damals kaum vorzunehmen. Sicher ist jedoch, dass der Schamanismus die ursprünglichste und älteste Form dieser primitiven Magie darstellt. In unzivilisierten Stämmen oder ähnlichen Verbänden lebend wurde die magische Gabe als Verbindung zu Göttern, Götzen und Geistern verstanden. Magie und Religion waren damals untrennbar verwoben, jedoch weit undurchschauter praktiziert als die Magie heutigen Klerikertums. In Ritualen wurden Zeichen und Willen der Götter heraufbeschworen, jedwedes Zaubern hatte anrufenden, bittenden, vollstreckenden Charakter.
Die Vebreitung dieser Riten verlief aus Basis mündlicher Überlieferung, ihre Ausübung war oft von mäßigem Erfolg und schwer deutbaren Ergebnissen geprägt. Dies scheint nur logisch angesichts der Tatsache, dass oft zufällige, unkontrollierte magische Effekte als Ausformung von Götterwillen versucht wurden zu deuten.

Ungleich auf einer zivilisierteren Weltsicht basierend, jedoch nahezu genauso alt, sind die dem Schamanismus folgenden Magietraditionen. Diese sind einerseits das Hexentum und das Druidentum, der Einfachheit halber hier als Naturmagie zusammengefasst, und das Priestertum.
Was war an diesem Magieverständnissen fortschrittlich? Zuerst wollen wir uns die Naturmagie beschauen. Dieser liegt ein metaphysischeres Magieverständnis und ein bewussteres Einsetzen der Magie zugrunde. Die verehrten Wesenheiten dieser Kulte interdependieren mit Naturerscheinungen, insbesondere den Elementen, bzw. stellen diese Elemente dar. Betreffend die Ausübung der magischen Kunst ist dies gegenüber dem Schamanismus als fortschrittlicher zu bezeichnen, da ihr eine bewusstere Ausübung und Kategorisierung zugrunde liegt. Wo der Schamane die unergründliche Macht seines Gottes in Form tradierter Riten ausüben zu können suchte, da ist die Naturmagie der Hexen und Druiden ein bewusstes Nutzen metyphysischer Kräfte. Sie zaubern zwar im Einklang mit den Prinzipien der Natur beziehungsweise ihres Elementes, jedoch entspringt der Akt des Zauberns ihrem freien Willen. Sie selbst formen die Macht, welche sie nutzen wollen, und sind sich ihrer eigenen Gabe vollends bewusst – sie stellt sozusagen ein Eigenprodukt dar. Nichtsdestotrotz hat diese Form der Magie noch immer einen auffallenden Anrufungscharakter. Von einer analytischen Magiepraxis ist diese Magie der Naturwesenheiten und Elemente jedoch noch weit entfernt.

Parallel zur Naturmagie ist das Priestertum zu nennen. Dieses bewahrte sich zwar den klerikalen Charakter der Magie, also die untrennbare Gottverbundenheit der Magie, weist jedoch zahlreiche Veränderungen gegenüber dem Schamanismus auf. Magie wurde nunmehr in einer politischen Gemeinschaft praktiziert, was den Wissensaustausch enorm begünstigte. Auch ist den Liturgien dieser Magietradition, also den rituellen Zauberprozessen, eine größere Erfolgswahrscheinlichkeit als den alten Ritualen vergönnt. Ebenso begann das Priestertum mit dem schriftlichen Fixieren und Weitergeben dieser Liturgien, was schon gewisse Ähnlichkeit zur akademischen Formelmagie aufweist.

Geschichte der akademischen Magie


Die Entstehung der akademischen Magie war ein langwieriger und schleichender Prozess, denn sich vom tradierten Glauben zu lösen, dem die vielen Generationen Magiekundiger damals anhingen, erforderte im Geiste zu wagen, Magie und Weltsicht nun völlig zu trennen.
Es lässt sich kein Punkt in der Magiehistorie ausmachen, an dem ein klarer Bruch mit den alten Magietraditionen vollzogen worden wäre. Vielmehr war es Neugier, die mehr und mehr den Drang zur Erforschung der eigenen Macht mehrte. Es ist davon auszugehen das dieser Prozess sich über viele Generationen Magiekundiger hinzog.
Die Aufzeichnungen der Magierakademie zu Vesper legen nahe, dass es wohl Druiden waren, die als erste eine Art Zirkel gründeten in dem sie gezielt die Kräfte der Elemente, ihrer Magie, studierten und letztendlich als wandernde Lehrmeister weitergaben. Nun war es nur eine Frage der Zeit, bis die letzten Reste der alten Religionen aus der Magie wichen. Die Schüler der alten Elementaristen wurden von Generation zu Generation unabhängiger, forschten in ihrem neuen Selbstverständnis plötzlich in völlig neuen Gefilden der Magie, und erschufen so die Wissenschaft der arkanen Kunst.
Bestätigt findet sich diese Annahme im Studium uralter Thesen magischer Formeln. Ein Blick auf die Herleitungen einiger alter Formeln offenbart, dass ihre Autoren ein deutlich naturmagisch geprägtes Magieverständnis besaßen. Sie brachten Dinge in Zusammenhang, die heute von keinem Akademiker mehr im selben Werke genannt würden. Doch trotz der metaphysischen Erklärungsansätze, die von diesen Druiden geliefert wurden, ist zu bemerken, dass sie an der Wahrhaftigkeit dieser zweifeln. Sie haben sich mit dem Gedanken vertraut gemacht, dass Magie etwas völlig neutrales sein könnte, also unabhängig von jedweden Wesenheiten, Elementen, oder der Natur selbst.
Es dauerte nicht lange, bis die Zusammenkünfte und Dispute unter den Forschenden der Magie dauerhaften Strukturen wichen. Man tat sich in Vereinigungen zusammen, dann folgten feste Sitze und Strukturen, Lehrpläne und gemeinschaftliche Bibliotheken - die akademische Magie war geboren.

Vorteile der akademischen Magie


Doch was ist nun das Fortschrittliche am Akademikertum, was hat diese Magietraditionen ihren Vorgängern voraus? Die Argumente liegen auf der Hand.
Das Akademikertum wurde aus wissenschaftlichem Denken geboren, und als solche sieht es auch die arkane Kunst. Der Vorteil der Wissenschaft ist offensichtlich:
Progression: Sie ist äußerst progressiv. Es ist nicht zu leugnen das nirgends sonst derartige Fortschritte im Wissenshorizont der Anwender gemacht werden, wie in der akademischen Magie. Stetige Forschung führt zu stetig neuen Erkenntnissen. Sicherlich ist damit auch die Gefahr zahlreicher Irrtümer gegeben, doch wird dies durch einen anderen Aspekt wissenschaftlicher Magie aufgewogen:
Revidierbarkeit: Die Wissenschaft hängt nicht an Traditionen, sie schützt nicht Theorien oder Annahmen, weil diese besonders alt oder von einem besonders klugen Kopf erdacht wurden. Jedwede Theorie, die sich als falsch erweist, wird verworfen. Die Suche nach größeren Wahrheiten, das Überprüfen und Bestätigen oder Widerlegen alter Thesen ist der einzig wahre Weg auf der Suche nach Wahrheit.
Wertfreiheit: Die akademische Magie ist von Werten an sich losgelöst, ergo eine neutrale Wissenschaft. Nur durch das Abschotten der Wissenschaft von jedwedem Weltbild kann ihre Wahrhaftigkeit begründet und das Wissen der Menschheit in größtmöglichem Maße gemehrt werden.

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